Bertolt Brecht

Bertolt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren.
Er war ein Lyriker, ein Erzähler und in erster Linie, ein großer Dramatiker.
Alles Bücher Brechts wurden 1933, als die Nazis an die Macht kamen, auf die Liste der in Deutschland verbotenen Literatur gesetzt .
Im Jahr 1933 emigrierte er über Österreich und die Schweiz nach Dänemark , später nach Schweden und Finnland und dann nach Kalifornien .
Die Zeit des Exils war sehr produktiv.

Brecht war Marxist, und das Hauptthema seines theatralischen Werks ist die Entfremdung des Menschen , in einer Welt, wo Gewalt und Ausbeutung herrschen .

– Das epische Theater –
Er entwickelte die Theorie des “epischen Theaters”. Brecht glaubte, dass die Zuschauer sich nicht mit der Handlung und den Personen  auf der Bühne identifizieren sollten. Er wollte eine kritische Distanz scahffen , um eine Reflexion bei den Zuschauern erwecken .

Ein neues Gesicht von Bertolt Brecht – (1926-1930)

In einem großen Land lebte einmal ein Kaufmann. Er kaufte allerhand Dinge, große und kleine, und verkaufte sie wieder mit einem sehr guten Gewinn. Er kaufte Fabriken und Flüsse, Wälder und Stadtviertel, Bergwerke und Schiffe. Wenn Leute sonst nichts zu verkaufen hatten, kaufte er ihnen die Zeit ab, das heißt, er ließ sie gegen Lohn für sich arbeiten und kaufte so ihre Muskeln oder ihr Gehirn. Er kaufte den Griff ihrer Arme für sein laufendes Band, den Tritt ihrer Füße für seine Essen, ihre Zeichnungen, ihre Schrift in seine Kontobücher.

Er war ein sehr großer Kaufmann und wurde ein immer größerer Kaufmann. Er war weit und breit sehr geachtet und wurde immer geachteter. Aber auf einmal bekam er eine arge Krankheit. Eines Tages wollte er wieder einmal etwas kaufen, diesmal ein paar Zinngruben in Mexiko. Eigentlich wollte er sie nicht selber, sondern einige andere Leute sollten sie für ihn kaufen, damit er sie verkaufen konnte. Er wollte nämlich diese Leute betrügen.

Er verabredete sich mit ihnen in einem Bankhaus.

Dort verhandelten sie mehrere Stunden miteinander, indem sie dicke Zigarren rauchten und dazu Zahlen aufschrieben.

Der große Kaufmann erzählte seinen Geschäftsfreunden, wie viel Geld sie bei diesem Geschäft verdienen konnten, und da er ein so geachteter Kaufmann war und nett und freundlich aussah, wie eben ein älterer, rosiger Kaufmann mit weißen Haaren und blanken Augen, glaubten sie ihm auch, wenigstens anfangs. Aber dann passierte etwas Merkwürdiges.

Er merkte plötzlich, dass die Herren ihn ganz eigentümlich ansahen, und dann rückten sie sogar ein wenig von ihm weg, während er sprach. Er sah an sich hinunter, ob an seinem Anzug etwas nicht in Ordnung war, aber sein Anzug war ganz in Ordnung. Er wusste gar nicht, was los war. Die Herren standen mit einem Mal auf, und jetzt sahen ihre Gesichter ordentlich erschrocken aus, und sie sahen deutlich ihn an, und zwar wie etwas Schreckliches, vor dem man Angst hat. Und doch sprach er nicht anders als sonst, nett und freundlich, wie ein großer, geachteter Kaufmann.

Warum also hörte ihm niemand mehr zu, und warum gingen sie denn ohne jede Entschuldigung einfach hinaus und ließen ihn sitzen? Denn das taten sie.

Er stand ebenfalls auf, nahm seinen Hut und ging hinunter, um in sein Auto zu steigen. Da sah er noch, wie der Chauffeur furchtbar erschrak, als er ihn sah.

Zu Haus eilte er sogleich zu einem Spiegel. Da sah er etwas Schreckliches:

Aus dem Spiegel entgegen blickte ihm das Gesicht eines Tigers.

Er hatte ein neues Gesicht bekommen! Er sah aus wie ein Tiger!

Valentina

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